Die langsamen Schritte auf dem Weg

 

Das Meer gibt uns viele erstaunliche Beispiele für die Notwendigkeit und was es für Vorteile bieten kann, manchmal seine Schritte zu verlangsamen und sich mit mehr Ruhe, Beharrlichkeit und Achtsamkeit auf seinen Weg zu machen.

Wir glauben, dass sich unsere Vorhaben nur mit größter Anstrengung, Effizienz und Schnelligkeit umsetzen lassen.

Aber oft ist gerade die Langsamkeit und Ruhe der Schlüssel, um auf seinen Weg weiterzukommen.

Manchmal müssen wir sogar ein paar Schritte zurückgehen, die Dinge noch einmal genauer betrachten, einzelne Aspekte neu aufnehmen, sie überdenken und überarbeiten.

Wenn wir alles immer nur in Eile tun, entgehen uns viele wichtige Details und Hinweise, die vielleicht wichtig für uns sein könnten.

 

 

 

 

„Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.“

Gotthold Ephraim Lessing

 

-Eine gute Gründung

Um sich auf den Weg zu machen, brauchen wir natürlich ein Ziel, worauf wir unseren Fokus richten können.

Und um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir eine solide Planung und eine gute Grundlage schaffen.

Wie können wir unser Ziel erreichen?

Was brauchen wir auf dem Weg dorthin?

Wie können wir uns ein Fundament an Stärken aufbauen, damit wir nicht bei den ersten Schwierigkeiten vom Weg abgebracht werden?

Man kann dazu z.B. Muschelbänke betrachten. Die Muscheln haften sich mit besonderen Haftfäden an Felsen und haben so die Möglichkeit Nahrung aus dem Wasser zu filtrieren, ohne mit der Brandung und dem starken Sog der Unterströmung fortgespült zu werden.

Hier nehmen sie langsam immer mehr an Größe zu und bilden ganze Muschelbänke aus.

Auch bei der Entstehung von Korallenriffen können wir diese langsame Gründung und Bodenhaftung beobachten.

Die Korallenpolypen können aus dem Meerwasser Kalzium und Karbonat aufnehmen und bilden dann daraus ein Kalkgerüst und es entstehen Riffe, die lebende Kolonien von über 1200 Jahre enthalten können.

Auch wir brauchen eine gute Gründung in uns selbst, damit wir nicht von widrigen Umständen weggespült werden, eine Haftung an unseren Stärken und Fähigkeiten, um diesen Umständen standzuhalten.

 

 

 

 

„Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun.“

Johann Wolfgang von Goethe

 

-Unterstützung durch Gemeinschaft

Oft schaffen wir es aber nicht allein auf unserem Weg voran zukommen, sondern wir brauchen Hilfe oder ein bestimmtes Umfeld, Menschen, die uns ein Stück auf unserem Weg begleiten und unterstützen.

Auch um sich gute und hilfreiche Beziehungen aufzubauen, müssen wir uns Zeit nehmen.

Das Ökosystem im Korallenriff ist auch hier ein gutes Beispiel für eine symbiotische Gemeinschaft.

Die Korallenpolypen leben in einer Symbiose mit einzelligen Zooxanthellen. Dabei bietet der Polyp den Zooxanthellen in ihrem Inneren Schutz und die Zooxanthellen versorgen den Polypen durch Photosynthese mit Nährstoffen.

Viele Fische finden Nahrung im Riff und ernähren sich vom Riff selbst. Ebenso sorgen Fische dafür, dass Algenbewuchs die Korallenriffe nicht überwuchert und dienen wiederum Raubfischen als Nahrung.

Auch wir kommen mit Hilfe von anderen manchmal schneller und besser ans Ziel, weil sie uns helfen können, bestimmte Fähigkeiten zu erlernen, oder uns vor Gefahren schützen und uns Hinweise geben, die wir allein nicht gesehen hätten.

Aber um solche Beziehungen aufzubauen, braucht es Zeit. Zeit, damit Vertrauen wachsen kann und auch Zeit, um selber seine Talente und Fähigkeiten einzubringen, so dass auch wir eine Hilfe für andere sein können.

 

 

 

 

-Andere Wege gehen

Manchmal werden wir auch ausgebremst durch Umstände, die wir nicht verändern können.

Es werden uns Hindernisse in den Weg gelegt, die wir umgehen müssen. Dann brauchen wir neue Lösungsstrategien und Lösungsansätze und gleichzeitig sollten wir unser Ziel dabei nicht aus den Augen verlieren.

Man kann dies mit der Navigation beim Segeln vergleichen. Der Kurs ist abgesteckt, aber durch ungünstige Windverhältnisse kann man sein Ziel nicht auf dem vorgesehenen Kurs erreichen.

Also muss man durch Kursänderungen und längere Schläge versuchen seinen Zielhafen zu erreichen. Dies dauert zwar länger, aber durch Annehmen der gegebenen Umstände und durch eine neue Ausrichtung gelangt man trotzdem an sein Ziel.

Auf dem geänderten Kurs können wir neue Erfahrungen machen und neue Erkenntnisse gewinnen, die wir auf unserem geplanten Weg nicht erlebt hätte.

 

 

 

 

„Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“

Konfuzius

 

 

-Zeit für Erholung

Oft ist es auch gut seine Schritte zu verlangsamen, sich einfach treiben zu lassen, die Dinge auf sich zukommen zu lassen.

Wenn wir unsere Vorhaben zu verkrampft und verbissen angehen, uns selber zu sehr unter Druck setzen, verlieren wir unsere Energie und müssen schon bevor wir unser Ziel erreichen aufgeben.

Manchmal fügen sich die Dinge auch von allein oder mit mehr Leichtigkeit. Es ist dazu nur wichtig ein Vertrauen in sich und in die Welt zu entwickeln, einen Glauben, dass es positiv für uns ausgehen wird.

Nur wenn wir alles einmal verlangsamen und uns Zeit für uns selber nehmen, uns mit Dingen beschäftigen, die uns zur Ruhe kommen lassen, können wir auch wieder Kraft tanken, um weiter beständig auf unserem Weg zu gehen.

Wenn man sich dazu als Beispiel die Quallen anschaut, die sich vom Wind und der Meeresströmung treiben lassen, finden sie so auch auf ihrem Weg die Nahrung, die sie brauchen, ganz ohne große Anstrengung.

Mit Ruhe und Geduld kommt man oft viel weiter und ebenso werden die eigenen Energiereserven geschont.

 

 

 

 

„Alles Schwierige hat seinen Ursprung im Leichten und alles Große im Kleinen.“

Laotse

 

 

-Lernen von Fähigkeiten

Weiterhin brauchen wir auch immer eine gewisse Zeit, um bestimmte Fähigkeiten aufzubauen oder zu verbessern. Nur wenn wir etwas langsam tun, uns konzentrieren, können wir neue Fertigkeiten erlernen.

Häufig sind es die kleinen Details, die eine große Veränderung bewirken und einen weiter voran bringen. Nur müssen wir bei diesen Dingen eben genauer hinschauen.

Wichtig ist auch, dass neu gelernte Prozesse Zeit brauchen, um von uns verarbeitet zu werden und um sie zu festigen, damit sie zum richtigen Augenblick eingesetzt werden können.

Der Hummer ist z.B. ein eher langsames Tier. Er hat aber durch den richtigen Gebrauch seiner Scheren und Antennen eine ausgefeilte Jagdtechnik entwickelt, so dass seine Langsamkeit kein Mangel darstellt.

Seine Scheren und Beine kann er optimal als Werkzeuge einsetzen. Mit seiner größeren Schere, der Knackschere, kann er seine Beute aufbrechen, mit der kleineren Schere, der Greifschere, hält er seine Beute fest.

Auch das zweite und dritte Beinpaar besitzen kleinere Scheren, mit denen er seine Beute bearbeiten kann. Außerdem besitzt der Hummer einen starken Panzer, der sich langsam entwickelt und durch Häutung immer wieder dem Wachstum angepasst wird. Er bietet dem Hummer einen optimalen Schutz.

Was wir auf unserem Weg lernen, welche Erfahrungen wir machen, was wir erleben und welchen Menschen wir begegnen, macht unser Leben so reich und aufregend.

 

 

 

Ob wir unser Ziel erreichen oder nicht, wir entwickeln uns dabei immer weiter. Wichtig ist, dass wir auf unserem Weg nie die Freude und Leichtigkeit verlieren.

Wir sollten nur wirklich losgehen, nicht still stehen, lieber mal die Schritte verlangsamen oder vielleicht auch mal ein paar Schritte zurückgehen, Hindernisse umgehen, aber wir werden auf dem Weg immer Neues entdecken und dabei unser Leben und das Leben anderer bereichern.

 

 

 

 

„Was du bekommst, beim Erreichen deiner Ziele, ist nicht so wichtig, wie das, was du dabei wirst.“

Henry David Thoreau